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Interview Competitionline
Datum
19.05.2026
Wir freuen uns mitteilen zu können, dass wir von Competitionline zu einem Interview eingeladen wurden. Dieses fand anlässlich unseres Rankings auf Platz 11 unter ca. 3000 Landschaftsarchitekturbüros statt und gibt Einblicke darin, was uns als junges und innovatives Büro antreibt.
Für Abonnenten von Competitionline ist das gesamte Interview hier zu lesen:
https://www.competitionline.com/de/news/wettbewerbe/ich-wollte-mein-eigenes-ding-machen-18081.html
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Hier finden Sie einen Auszug des Interviews (Text von Benedikt Crone):
Lars Ruge hat sich nach Jahren der Standortleitung bei Vogt Landschaftsarchitekten selbstständig gemacht. Sein in Zürich ansässiges Ein-Mann-Büro kletterte im Ranking der Landschaftsarchitekt*innen um 20 Plätze nach oben. Wie gelang der Neustart?
Mit einem radikalen Neubeginn hat Lars Ruge gezeigt, wie schnell sich Erfahrung, Netzwerk und klare Haltung in Wettbewerbserfolge übersetzen lassen. Im Gespräch gibt er Einblick in seine Strategie als Ein-Mann-Büro, erklärt, warum hohe Teilnahmezahlen allein nicht ausreichen, und beschreibt, wie sich die Freiraumplanung zwischen ökologischen Anforderungen und gestalterischem Anspruch neu austariert.
> Ihr Büro Lars Ruge Landschaften hat im aktuellen Ranking einen beachtlichen Sprung von Platz 31 auf Platz 11 hingelegt. Wie erklären Sie sich den Erfolg?
Das liegt zum einen an der Schlagzahl. Nach der Gründung im Juli 2024 habe ich massiv Akquise über Wettbewerbe betrieben. Ich nehme an 30 bis 40 Verfahren pro Jahr teil und streue inhaltlich breit – von Schulen und Museen bis zum Siedlungsbau. Meist bin ich mit Architektinnen und Architekten unterwegs; da landet man zwangsläufig Treffer.
> Sie haben aber nicht nur an vielen Verfahren teilgenommen, Sie haben auch viele Preise erzielt. Spielt Ihnen Ihre Erfahrung in die Karten?
Sicher. Als langjähriger Büroleiter bei Vogt Landschaftsarchitekten habe ich Routinen für Wettbewerbe entwickelt und ein großes Netzwerk aufgebaut. Ich arbeite aber auch bewusst mit Kolleginnen und Kollegen zusammen, die 20 oder 25 Jahre jünger sind. Das liefert frische Impulse und verhindert, dass ich immer nur dieselben Strategien fahre.
> Fast jeder Hochbauwettbewerb fordert derzeit eine Fachplanung für den Außenraum. Werden Sie viel angefragt oder müssen Sie selbst Klinken putzen?
Ich muss tatsächlich selten anfragen. Oft sind es frühere Partner, Empfehlungen oder auch junge Architektinnen und Architekten aus großen Büros, die sich mittlerweile selbstständig gemacht haben. Manchmal weiß ich gar nicht genau, wie eine Anfrage zustande kommt – jemand kennt jemanden, der gehört hat, dass ich jetzt ein eigenes Büro habe. In der ersten Phase der Selbstständigkeit habe ich mich mit Studien und Wettbewerben über Wasser gehalten. Daraus resultieren nun Aufträge in der Schweiz, die aktuell noch als Gestaltungspläne auf ihre Rechtskraft warten. Wenn alles gut geht, werden diese 2027 oder 2028 in reale und verrechenbare Projektarbeit übergehen.
> Warum sind Sie nach so langer Zeit bei Vogt Landschaftsarchitekten ausgestiegen?
Das Büro befand sich in einer Phase des Generationswechsels und der Umorganisation. Nach 18 Jahren im Büro stellte sich auch für mich eine grundlegende Frage: Will ich – mit Anfang 50 – weiterhin in den bekannten Strukturen mit gewohnten Abläufen weitermachen oder noch einmal eine neue Herausforderung suchen, auch wenn dies ein Risiko darstellt? Schließlich fiel die Entscheidung: Ich wollte in den nächsten Jahren meines Berufslebens unabhängiger und eigenständiger sein. Einfach ohne Ballast mein eigenes Ding machen und meine Haltung zu aktuellen Themen neu definieren. Es ist ja gerade eine extrem spannende Phase für unseren Berufsstand.
> Inwiefern?
Themen wie Schwammstadt, Stadtklima und Biodiversität haben zu einem Umdenken in der Stadtplanung geführt und der Freiraumplanung zu Recht eine höhere Wertigkeit verschafft. Diese Themen haben auch in den Wettbewerben große Bedeutung erlangt, werden manchmal aber fast ideologisch betrachtet. Was dabei schnell untergeht, ist der Entwurf. Jurys sind teils schon zufrieden, wenn eine Schotterfläche als „Biodiversitätsfläche“ deklariert wird. Räumlich hat das im Stadtraum oft keine Relevanz. Ich frage mich, wie solche Orte in 30 Jahren aussehen, wenn prägende Elemente wie Bäume oder Hecken fehlen.
> Steigt das ökologische Bewusstsein auf Kosten der Ästhetik?
Biodiversität war schon immer ein Thema der Landschaftsarchitektur. Heute fordert man statt einer Komposition aus vierzig Linden gern sechs verschiedene Baumarten. Das mag punktuell richtig sein, aber nicht überall. Man kann ökologische Anforderungen auch gestalterisch beantworten: Eine technische Sickermulde lässt sich als Wasserspiegel oder Weiher inszenieren. Mein Anspruch ist es, ein räumlich starkes Bild zu finden, das aus der Geschichte des Ortes hergeleitet ist, um Beliebigkeit zu vermeiden.
> Wie gelingt das Entwerfen als Ein-Mann-Betrieb? Fehlt Ihnen nicht ein Sparringspartner?
Hin und wieder. Aber ich habe meine eigene Routine entwickelt. Ich schaue mir das direkte Wettbewerbsareal an, analysiere das Umfeld und zoome für einen größeren Betrachtungsrahmen heraus. In historischen Karten suche ich nach lokalen Besonderheiten wie ehemaligen Bachlandschaften sowie geologischen oder vegetativen Eigenheiten. Oft bietet schon die Landschaft vielfältige, ortstypische Motive. Wenn ich mich auf so etwas beziehe, ist der Entwurf sofort glaubwürdiger als ein beliebiges Raster. Brauche ich dann den Austausch, nutze ich häufig die Architektinnen und Architekten als Diskussionspartner. Und wenn gar nichts mehr geht, kommt die Idee auch mal beim Rennradfahren.
> Aktuell sind Sie noch als Einzelkämpfer unterwegs, unterstützt von Freelancern. Wie sieht Ihr Entwicklungsplan aus?
Ich suche derzeit die ersten festen Mitarbeiter. Mittelfristig peile ich eine Größe von fünf bis zehn Personen an – so bleibt man flexibel und kann Schwankungen ausgleichen. Ich arbeite zurzeit zur Untermiete in einem Architekturbüro. Nach vielen Jahren mit dreißig Kolleginnen und Kollegen bei Vogt und der damit verbundenen Dynamik und Energie wäre mir ein reines Einzelbüro zu langweilig gewesen. Ich brauche das Telefonklingeln, das Zischen der Espressomaschine und die Diskussion im Hintergrund.
> Macht Ihnen die „Ärmel-hoch“-Arbeit in Wettbewerben nach Jahren der Leitungsposition in einem größeren Büro wieder Spaß?
Absolut! Einige dachten, ich ginge in die Bauherrenberatung oder Verwaltung. Aber ich will planen und bauen. Ich habe vor dem Studium eine Gärtnerlehre in einer Baumschule gemacht; ich habe eine große Leidenschaft für Pflanzen und die konkrete Umsetzung meiner Planung. Nach der langen Entwicklung hin zum Bürochef, der in großer Runde Entwürfe diskutiert, Präsentationen hält und Verträge prüft, wieder zum Gestaltenden in erster Reihe zu werden, ist eine tolle Erfahrung.
> In Deutschland herrscht in der Branche gerade Krisenstimmung. Wie nehmen Sie die Lage in der Schweiz wahr?
In der Schweiz laufen die Dinge deutlich konstanter, man lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. In Deutschland hat man in den letzten zwanzig Jahren viele Auf und Abs erlebt – Immobilienkrisen, Finanzkrisen, dann hieß es wieder, man baue 400.000 Wohnungen, was dann doch nicht passierte. Diese engen Sinuskurven gibt es in der Schweiz weniger. Man nimmt vielleicht mal das Tempo heraus und verschiebt eine Baueingabe, aber es wird nicht gleich alles gestoppt.
> Werden Sie nach den vielen Erfolgen die hohe Schlagzahl bei den Wettbewerben beibehalten?
Ich sortiere inzwischen ein wenig stärker aus. Es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, einen Wettbewerb für ein sehr kleines Projekt zu bearbeiten, bei dem man im Erfolgsfall zwei Stunden zur Bausitzung fahren muss. Daran nehme ich dann nicht teil. Aber die Schlagzahl bei Wettbewerben werde ich grundsätzlich beibehalten. So bleibt man an neuen Themen dran. Selbst wenn man nicht gewinnt, kann man durch einen guten Wettbewerbsbeitrag manchmal ein Statement setzen, das über das Projekt hinaus wirkt.




